Bündnis B 189/B 5 statt A 14

 

 

Leserbrief

 

 

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Mai 2005

 

Verschlafene Rechte

 

Am 14.12.2004 wurde das Autobahnteilstück „Schönberg–Lübeck“ der neuen A 20 festlich eingeweiht.

 

Obwohl nur 300 m an unserem Grundstück vorbei führend, war ich eigentlich immer für diese Baumaßnahme und habe mich gemeinsam mit so vielen aus unserem Dorf darauf gefreut, Lübeck endlich ohne Stau erreichen zu können.

 

Wir konnten uns beim besten Willen  nicht vorstellen, was für ein akustischer Alptraum auf uns wartet. Die ersten Tage wollte ich meinen Ohren einfach nicht trauen. Hatten wir jetzt etwa eine Startbahn für Düsenjets vor der Haustür?  Selbst bei geschlossenen Fenstern ist nun ständig ein starkes rauschen im Haus zu vernehmen.

 

Verantwortlich dafür ist der Straßenbelag. Es handelt sich dabei um die sogenannte „Betondecke mit Besenstrich quer“, die aus ökonomischen Gründen (billiger) an Stelle einer Asphaltschicht verwendet wurde, obwohl das so eigentlich im Planfeststellungsverfahren nicht vorgesehen war! Leider macht sich für unser Dorf nun auch der völlig unzureichende Lärmschutz negativ bemerkbar (die paar Bretterwände, dazu nur stückweise aufgestellt, zeigen keinerlei Wirkung). Einige Nachbarorte, obwohl genauso nahe an der Trasse liegend, haben überhaupt keinen Schallschutz bekommen.

 

Das Problem in den betroffenen Gemeinden unserer Region ist überall das gleiche. Wir waren während der Planungsphase einfach zu gutgläubig und haben uns nicht wirklich um Schutz- und Ersatzmaßnahmen gekümmert. Zwar wird der Straßenbelag noch einmal für viel Steuergelder neu aufgetragen, da die Planer der „DEGES“ hier einen Fehler einräumen mussten, (wenn auch erst nach massiven Bürgerprotesten), der Lärmschutz bleibt aber so wie er ist, da im Planfeststellungsverfahren nichts anderes vorgesehen wurde. Im nachhinein dagegen anzugehen ist sinnlos!

 

In Ihrer Region wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich die A 14 gebaut. Das so entscheidende Planfeststellungsverfahren steht in Sachsen-Anhalt und Brandenburg unmittelbar bevor.  Ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung allen betroffenen Bürgern nur raten, sich aktiv an diesem Verfahren zu beteiligen. Lassen Sie sich von den Behörden nicht widerstandslos über den Tisch ziehen. Machen Sie Ihre Forderungen geltend und zwar laut, eindringlich und rechtzeitig. Pochen Sie auf  Ihr Mitspracherecht. Lärmschutz (zum Beispiel) der nicht ausdrücklich von den Betroffenen gefordert wird, wird auch definitiv nicht gebaut! Diesen Fakt mussten wir hier in Mecklenburg leider auf sehr schmerzhafte Art zur Kenntnis nehmen.

 

                                                                                                        Martina Schörling

                                                                                                        Groß Siemz

                                                                                                        Mecklenburg-Vorpommern

 

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