Bündnis B 189/B 5 statt A 14

 

 

Leserbrief

 

 

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5. Dezember 2005 - Leserbrief zu: „Autobahnnetz im Norden wird enger“, SVZ vom 3.12.2005

 

In dem Artikel kündigt Verkehrsminister Tiefensee den Baubeginn der A 14 in Sachsen-Anhalt für 2006/2007 an. Das geht auch genauer: denn der 1. Spatenstich steht längst fest: am 20. März 2006 wird Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Daehre höchstpersönlich zum Spaten greifen, und zwar ganz egal, welche unlösbaren Probleme es mittlerweile mit der A 14-Planung gibt. Denn genau eine Woche später sind Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Selbstverständlich sagt dieser 1. Spatenstich nicht im mindesten, dass damit der Baubeginn gesichert sei. BUND und Bürgerinitiativen haben bereits angekündigt, dass sie gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen werden. Die Planung verstößt nicht nur gegen bundesdeutsches, sondern auch gegen europäisches Naturschutzrecht. Gesetzliche Auflagen – wie z.B. die Prüfung einer Alternative zum Autobahnbau – werden schlichtweg ignoriert.

 

Das ein 1. Spatenstich festgelegt wird, ohne das überhaupt im entferntesten klar wäre, wie diese ökologisch und wirtschaftlich höchst umstrittene Autobahn je gebaut werden soll, ist symptomatisch für die gesamte Planung, die man nur als schlampig bezeichnen kann. Denn für die A 14 gibt es – neben der ungeheuren Naturzerstörung, die ein Bau nach sich ziehen würde – gar keinen Bedarf. Oder kann man bei rund 11.ooo bis 12.000 Fahrzeugen pro Tag, die derzeit im künftigen Trassenbereich der A 14 rollen, von Bedarf für eine Autobahn sprechen?

Das es für die A 14 keinen verkehrlichen Bedarf gibt, haben die Planer übrigens selbst festgestellt. Und ebenfalls von den Planern, sprich vom Verkehrsministerium in Sachsen-Anhalt, lautet die Aussage, das diese Autobahn ausschließlich politisch gewollt ist.

 

Das sich Herr Tiefensee von der Autobahn eine „wirtschaftliche Belebung in schwachen Gebieten“ verspricht, zeigt leider, dass auch der neue Verkehrsminister nicht aktuell informiert ist. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 15 Jahre belegen, dass gerade strukturschwache Gebiete unter einer Autobahn leiden – weiterer Verlust von Arbeitskräften, weitere Abwanderung und weiteres Ausbluten der Region ist die Folge. Das Verkehrspolitiker glauben, die Bevölkerung immer wieder mit der allzu simplen Gleichung „Autobahn = Arbeitsplätze“ täuschen zu können, grenzt schon an Volksverdummung.

 

Susanne Bohlander

Aktionsgemeinschaft gegen die A 14

 

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