Bündnis B 189/B 5 statt A 14

 

 

Leserbrief

 

 

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16. Mai 2006

 

Zu: „Doppelte Belastung für viele Einwohner befürchtet“, Volksstimme vom 12.05.2006

 

Dass der Bürgermeister von Geestgottberg, Herr Kallmeter, sorgenvoll die Autobahnplanung verfolgt, ist nur zu verständlich. Denn die jetzige Kreisstraße K1020 wird die Funktion einer Bundesstraße übernehmen, wenn die A 14 gebaut wird. Damit aber wird es mit der relativen Ruhe auf dieser kleinen Straße vorbei sein. Westlich des Dorfes der Autobahnlärm – die Planer sagen 35.000 bis 40.000 Fahrzeuge täglich voraus – , östlich davon und mitten durch den Ort mindestens 3.000 Fahrzeuge täglich auf der K1020. Die Mautflüchter noch nicht mitgerechnet.

 

Warum diese Verkehrslawine regelrecht hierher „gelockt“ werden soll, in die dünnbesiedelte und von Verkehrslärm noch relativ verschonte Altmark, haben die Planer bereits mehrfach erklärt: die A 14 wird gebaut, um Wirtschaftszentren zu verbinden –von einer „Achse ins Baltikum“ ist gar die Rede. Die Region, durch die diese Autobahn führen soll, hat lediglich den Platz dafür zur Verfügung zu stellen und ansonsten keine Forderungen in bezug auf Lärmschutz zu stellen.

 

Welchen Stellenwert der Lärmschutz für die A 14-Planer hat, kann jeder selbst sehen, der das 1. Planfeststellungsverfahren bei Colbitz verfolgt. Für die Einwohner sind keinerlei Lärmschutzmaßnahmen eingeplant, obwohl die Trasse weniger als 700 Meter entfernt verlaufen soll. Lediglich bei zwei einzelstehenden Gebäuden mit einer Entfernung von gut 200 Metern soll es – und auch das nur vereinzelt - Lärmschutzfenster geben.

Lärmschutz habe bei der A 14-Planung oberste Priorität, versicherte Verkehrsminister Daehre noch vor einem Jahr. Die Menschen in Mose und Colbitz wissen mittlerweile, was von dieser Aussage zu halten ist.

 

Den Fernfahrern und Berufspendlern, die sich ein schnellerer Vorwärtskommen auf der B 189 wünschen, ist mit einem bedarfsgerechten Ausbau der B 189 viel schneller und effektiver geholfen. Bei einer oder zwei zusätzlichen Überholspuren muss kein Pendler mehr hinter Lastern hängen und kann jederzeit zügig überholen. Weitere Umgehungsstraßen an der B 189 könnten die Menschen schnell und auf Dauer vom Verkehrslärm entlasten.

Und: die Altmark bliebe von der vorausgesagten Verkehrslawine verschont. Denn die wird, nach Aussagen der Planer, nur mit der A 14 kommen.

 

Oberste Priorität des Verkehrsministeriums in Sachsen-Anhalt sind aber offenbar nicht die Interessen der Menschen vor Ort, sondern: möglichst schnell Tatsachen zu schaffen – bevor in Berlin beim Verkehrsetat das Geld knapp wird. Äußerst voreilig hatte Herr Daehre Ende März den „ersten Spatenstich“ für eine Autobahnbrücke verkündet – obwohl die Trasse selbst nach wie vor nicht genehmigt ist. Bundesverkehrsminister Tiefensee reagierte verärgert und wies seinen Kollegen darauf hin, dass gesetzliche Vorgaben auch einzuhalten seien. Der BUND ging einen Schritt weiter und hat Klage eingereicht. Die Chancen stehen gut, dass auch das Bundesverwaltungsgericht den vorgezogenen Bau dieser „Soda“-Brücke nicht genehmigt und Verkehrsminister Daehre den voreilig erklärten „Baustart“ wieder zurücknehmen muss.

 

Susanne Bohlander

Aktionsbündnis gegen die A 14

(BUND und Bürgerinitiativen)

 

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